Mittwoch, 21. Oktober 2009

"Green Cambodia"

Vor kurzem habe ich bereits eine email eines Freundes hier veröffentlicht, der zur Zeit noch in Kambodscha unterwegs ist. Er hat mit ein paar anderen Leuten zusammen ein Projekt gestartet, in dem es um Umweltschutz und Müllbeseitigung ging.

Dieses Projekt führte zu einem Event, einem "Umwelttag". Es wurde über Umweltthemen aufgeklärt durch Vorträge und Aufklärungsvideo und vieles mehr. Um das Projekt zu finanzieren mobilisierte Tim (so heißt betreffender Kollege) via Rundmail seine Freunde, Verwandte und Bekannte und schilderte sein Problem. Rundmails in denen er über seine Reise in Asien berichtet waren wir bereits gewohnt und ich vermute einfach, dass die meisten sie auch spannend fanden, doch war dies das erste Mal, dass er um Hilfe bat. Er fragte ob wir ihm nicht einen kleinen Beitrag zu dem Projekt aufs Konto überweisen könnten.
Dieser Bitte sind anscheinend einige nachgekommen. Jeder konnte Überweisen soviel er erübrigen konnte und nach nicht ganz einer Woche erreichte Tim eine Spende in Höhe von zusammengerechnet 510€!
Bedenkt man, dass Tim leider keinen Blog schreibt, über den er eine breite Masse erreichen könnte, ist dies schon eine beachtliche Leistung. Umgerechnet also 750$ konnte er dem Projekt zuführen.

Die Problematik
Tim: "Wie ich ja schon in der vorherigen Mail geschrieben habe ist mir schnell aufgefallen, dass der Kambodschaner an sich nicht so viel von Umweltschutz haelt. Da Natur nicht nur toll aussieht, sondern besonders in diesem sehr armen Land jeder auf Felder, Seen und Fluesse angewiesen ist, sollte es selbstversaendlich sein, dass jeder mit und nicht gegen seine Umwelt lebt. Besonders Takeo-Province ist nicht mit Reichtum gesegnet und fast alle leben von Reisanbau, Viehzucht oder der Fischerei.
Die Realitaet sieht anders aus. Dies hat einerseits viel mit Unwissenheit, anderseits natuerlich wie es jeder von sich selbst kennt mit Faulheit zu tun."


Nachdem nun dieses Projekt gestartet wurde, hatten Tim und seine Kollegen einiges vor sich. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass Zeit nur ein geringes Gut war. Ich möchte hier Tim einfach Zitieren, denn seine Worte beschreiben sehr schön was geschehen ist und ich war schließlich (leider) nicht dabei!




(Tims' Vortrag zum Umweltschutz)


Tim: "Die Idee des Umwelttags ist eher zufaellig entstanden, als ich dem Konversationskurs von Kim Ngat beiwohnte, die als Thema „Reden und Praesentationen“ behandelte, wobei eine Gruppe von zwei bis drei Studenten eine Rede ueber bestimmte Themen vortragen mussten wie die Weltkriege, kambodschanische Geschichte, Menschrechte etc.. Die Schueler fragten mich ob ich nicht auch Lust haette eine Rede fuer sie zu halten. Und schwupps war die Idee einer Umweltrede entstanden. Nach einigen Gespraechen mit den anderen Voluntaeren Sonja, Elif und Tara war dann die Idee des Umwelttags entstanden, die von diesem Zeitpunkt an wuchs und wuchs. Es sollte also nicht nur geredet, sondern auch gehandelt, es sollte gegessen und es sollte geschaut werden. Sodass schliesslich das Rahmenprogramm stand. Rede, Den Phnom Chisor entmuellen, zusammen essen und schliesslich einen Film ueber die Umwelt schauen. Doch fehlte es noch an Informationen fuer eine gute Anleitung zur Muellbehandlung wie z.B. Was macht man mit den bestimmten Arten von Muell wie Plastik, Glas, elektronischer Abfall, Batterien? Welche anderen Arten von Muellbeseitigung gibt es, wenn man es nicht verbrennen will? Ein geeigneter Film auf der Landessprache war gesucht und vieles vieles mehr.

Die Fragen an zahlreiche Umweltorganisationen in Kambodscha blieben allesamt unbeantwortet, doch wie der Zufall es so wollte stiess ich bei einem Zug durch Phnom Penh auf das Ministry of environment. Der Besuch war spannend, weil erster Kontakt mit der Behoerde. Und nach einigem Suchen nach der richtigen Abteilung und einem englischsprachigen Mitarbeiter wurden mir Paper zur Muellbehandlung, sowie Telefonnummern der provinzialischen Behoerde uebergeben. Beides sehr hilfreich.




Also Paper mit Srey Mom auf Englisch uebersetzt und anschliessen mit Srey Mom und Mr. Pritty nach Takeo das department of environment besucht.Departement of Environment)
Hier wurden endlich unsere Fragen beantwortet. bedauerlicherweise wurde uns mitgeteilt, dass Kambodscha bis jetzt noch keine Moeglichkeit hat, Glas, Plastik oder elektronische Geraete zu recyclen; Verbrennen von Muell illegal ist, es sollte eine Muelldeponie fuer das Dorf errichtet werden um anschliessend Pflanzen drauf wachsen zu lassen, die die Giftstoffe aus dem Boden filtern. Jedoch auch was positives denn die Jungs sicherten uns zu, bei grosser Anzahl von alten Batterien vorbei zu schauen und uns vom Gesammelten zu entledigen. Hervorragend und schwupps eine Batteriesammelstelle fuer High School und Sorya.




Wie schon erzaehlt konnte der Direktor von der High School ueberzeugt werden an unserem Projekt teilzunehmen und somit eine noch groessere Zahl an Studenten angesprochen werden. Dies hat dann auch den Ausschlag gegeben, dass alle noch mehr fuer dieses Projekt gearbeitet haben, sodass jeder von Sorya (auch unsere Security Gards) seine ganz bestimmte Aufgabe besass und die auch Tatkraeftig umsetzte. Ein grosses Lob an alle, fuer diese tolle Zusammenarbeit, den Fleiss und den Schweiss. Auch die Schueler der Konversationklasse haben ihren Teil beigetragen und allen soll auch hier herzlichst gedankt werden, denn ohne sie waers einfach nicht gegangen. Denn 200 kg Tomaten, 20 kg Zwiebeln, 160 Zehen Knoblauch schaelen, schneiden und kochen sich nicht von selbst (Rezept zum Nachkochen auf Nachfrage; Kochzeit drei Tage zwei Naechte).


Und nach all der Vorbereitung wars dann endlich soweit. Zelt gegen Regen war aufgestellt (Bei Regenzeit dringend anratbar), Generator fuer Strom stand bereit, Truck fuer Muellverfrachtung war gemietet und sogar der Muell lag bereit um aufgesammelt zu werden. Was kann da schiefgehen?
Also mit Sack und Pack zur Schule aufgebrochen, den Beamer fuer Powerpointpraesentation angeknippst, das Mikro kallibriert und den Laptop aufgeklappt. 12 Uhr, rechtzeitig geschafft.




Alle gluecklich, doch wo sind eigentlich die Studenten? Keiner einer da. Lunch time! Man isst gern, lang und viel. Nach und nach kam dann doch der eine oder andere aus seinem Versteck, bis dann alle beisammen waren und es begonnen werden konnte. Zuhoerer wurden gezaehlt und ausgewertet. Resultat viele. Sehr viele. Und das an einem Sonntag, dem freien Tag. Stueckzahl gute 450 lachende Gesichter. Es wurde also ueber die Umwelt, eine Instruktion im Umgang mit Muell, wie man bestimmte Arten von Muell behandelt und es schafft Muell zu reduzieren gesprochen. Fuer alle die‘s schon wieder vergessen haben. Einfache Woerter. Vier Stueck an der Zahl. Recycle, Reuse, Repair und Reduce. Wer das verinnerlicht und beruecksichtigt ist ganz vorn mit dabei."


Ich hoffe, dass sich das Konzept dort durchsetzt und so ein klein wenig etwas getan werden kann, damit die Ressourcen die so dringend benötigt werden, geschützt werden können. Ich werde bei Neuigkeiten natürlich weiter darüber berichten!

Gruß
David

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